Schluss mit Schnupfen - Fasten und Allergien

Tschüss, Taschentuch-Saison! Warum Fasten dein bester Verbündeter gegen Allergien sein kann

Wenn die Nase läuft, aber du dich entspannt zurücklehnst – eine persönliche Geschichte

Der Frühling ist da. Endlich. Die Sonne kitzelt morgens durch die Jalousien, die Vögel zwitschern, als hätten sie nie aufgehört, und überall explodiert es in Gelb, Rosa und Weiß. Eigentlich der schönste Moment des Jahres. Eigentlich.

Denn während die einen Instagram mit Kirschblüten-Selfies fluten, greifen andere reflexartig zur Großpackung Taschentücher und googlen schon mal, wann der Pollenflug dieses Jahr besonders heftig wird. Heuschnupfen, Allergien, triefende Augen – für viele beginnt jetzt die härteste Jahreszeit.

Ich kenne das. Nicht aus erster Hand mit Pollen, aber ich weiß, wie es ist, wenn der eigene Körper gegen vermeintlich harmlose Dinge rebelliert. Hunde zum Beispiel. Ich LIEBE Hunde. Aber mein Immunsystem hatte da lange Zeit eine andere Meinung. Tränende Augen, juckende Haut, zugeschwollene Nase – jedes Mal, wenn ich einen Vierbeiner streichelte. Und dann war da noch die Sonne. Ja, ernsthaft: Ich habe auf Sonnenlicht reagiert. Meine Haut wurde rot und juckte, sobald ich länger draußen war. Die Ironie des Lebens, wenn man von Mallorca und Gardasee träumt.

Heute? Lebe ich mit Frau Fiete, meiner Hündin. Täglich. Ohne auch nur einmal zu niesen. Und im Sommer? Ich halte mich stundenlang in der Sonne auf, ohne dass meine Haut verrücktspielt. (natürlich mit Sonnenschutz)

Was hat sich verändert? Ich faste. Regelmäßig. Seit Jahren.

Und nein, das ist keine esoterische Behauptung, sondern hat einen ziemlich handfesten wissenschaftlichen Hintergrund.

Das Histamin-Drama: Was bei Allergien wirklich passiert

Lass uns kurz über Histamin sprechen – den Hauptdarsteller in diesem Drama. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der bei allergischen Reaktionen von bestimmten Immunzellen, den sogenannten Mastzellen, freigesetzt wird. Das Ergebnis kennst du: Niesen, Jucken, Schwellungen, rote Augen, im schlimmsten Fall Atemnot.

Das Problem ist nicht das Histamin an sich – das brauchen wir für viele wichtige Körperfunktionen. Das Problem ist, wenn die Mastzellen überreagieren. Wenn sie bei jedem Birkenpollen, jedem Hundefell, jedem bisschen UV-Licht denken: ALARM! ANGRIFF! SOFORT ALLES RAUSHAUEN!

Und genau hier wird es spannend.

Fasten als Mastzellen-Flüsterer

Eine Studie, veröffentlicht im Journal Nutrition & Metabolism, hat etwas Faszinierendes herausgefunden: Bereits 24 Stunden Nahrungsentzug können die Histamin-Ausschüttung der Mastzellen deutlich reduzieren. Die Mastzellen werden sozusagen „stabilisiert" – sie bleiben ruhiger und schütten weniger von diesem Unruhestifter aus.

Der Mechanismus dahinter? Bei Fasten steigt die Konzentration von Beta-Hydroxybutyrat (kurz: BHB) im Blut – einem der Ketonkörper, die unser Körper produziert, wenn er auf Fettverbrennung umschaltet. Und diese Ketone scheinen einen direkten beruhigenden Effekt auf unsere Mastzellen zu haben.

Je länger die Fastenperiode, desto weniger Histamin. Je weniger Histamin, desto weniger allergische Symptome.

Klingt fast zu einfach, oder?

Autophagie: Der große Frühjahrsputz für dein Immunsystem

Es gibt noch einen zweiten Mechanismus, der beim Fasten ins Spiel kommt – und der ist mindestens genauso beeindruckend: Autophagie.

Autophagie ist der körpereigene Recycling-Prozess. Stell dir vor, deine Zellen machen Frühjahrsputz. Alte, beschädigte Zellbestandteile werden abgebaut und recycelt. Darunter auch defekte Immunzellen – die, die vielleicht ein bisschen zu übereifrig geworden sind.

Valter Longo, Direktor des Longevity Institute an der University of Southern California und einer der führenden Fastenforscher weltweit, hat in seinen Studien gezeigt, dass Fastenzyklen bis zu 40 Prozent der „fehlerhaften" Immunzellen erneuern können. Das betrifft auch überaktive Mastzellen.

Dein Immunsystem bekommt quasi ein Software-Update. Die hyperaktiven Zellen werden aussortiert, neue, besser kalibrierte Zellen entstehen. Das Ergebnis: weniger Überreaktionen. Weniger Allergien.

Weniger Entzündungen = weniger Allergien

Es gibt noch einen dritten Punkt, den ich nicht unerwähnt lassen will: Fasten reduziert systemische Entzündungen im Körper. Und chronische, stille Entzündungen sind wie der Soundtrack zu einem Horrorfilm – man merkt sie nicht bewusst, aber sie halten das gesamte System in Alarmbereitschaft.

Wenn dein Körper ständig ein bisschen entzündet ist, reagiert er empfindlicher auf alles. Auf Pollen. Auf Tierhaare. Auf Lebensmittel. Auf Sonnenlicht.

Intervallfasten senkt nachweislich die Entzündungsmarker im Blut. Es reduziert pro-inflammatorische Zytokine – das sind die Botenstoffe, die Entzündungen anheizen. Und es fördert die Produktion von anti-entzündlichen Substanzen.

Prof. Andreas Michalsen von der Charité Berlin beschreibt Fasten als eine der wirksamsten anti-entzündlichen Interventionen, die wir kennen. Nicht Medikamente. Nicht Nahrungsergänzungsmittel. Einfach: nicht essen. Für eine Weile.

Meine persönliche Allergie-Geschichte

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich Hunde nur aus der Ferne bewundern konnte. Jeder Kontakt bedeutete: Augen zu, Nase dicht, rote Flecken auf der Haut. Es war frustrierend. Vor allem, weil ich Hunde so sehr liebte.

Und dann war da diese Sache mit der Sonne. Polymorphe Lichtdermatose nennt man das offiziell. Ich nannte es: mein persönlicher Fluch. Während alle anderen braun wurden, wurde ich rot – und zwar nicht auf die sexy Art.

Als ich mit dem regelmäßigen Fasten anfing, dachte ich an vieles: mehr Energie, besseren Schlaf, ein paar Kilo weniger auf der Waage. An meine Allergien dachte ich nicht.

Aber irgendwann fiel mir auf: Ich konnte Hunde streicheln. Ohne Reaktion. Ich konnte in der Sonne sitzen. Ohne dass meine Haut verrücktspielte.

Zufall? Vielleicht. Aber die Wissenschaft sagt mir: wahrscheinlich nicht.

Was bedeutet das für dich?

Wenn du zu den Menschen gehörst, die jeden Frühling mit der Cetirizin-Packung in der Tasche herumlaufen, könnte Intervallfasten eine interessante Option sein. Nicht als Ersatz für alles, was dir hilft – aber als zusätzliches Tool in deinem Anti-Allergie-Werkzeugkasten.

Hier ein paar Gedanken, wie du starten könntest:

Fang sanft an. Du musst nicht sofort 24 Stunden fasten. Schon ein Essensfenster von 10 Stunden (und damit 14 Stunden Fastenzeit) kann positive Effekte haben.

Beobachte dich. Führe ein kleines Symptom-Tagebuch. Wie stark sind deine allergischen Reaktionen? Verändert sich etwas über die Wochen?

Sei geduldig. Die immunologischen Effekte des Fastens brauchen Zeit. Gib deinem Körper ein paar Wochen, bevor du Bilanz ziehst.

Iss entzündungsarm. In deinem Essensfenster solltest du möglichst auf stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Transfette verzichten. Diese können Entzündungen fördern und deine Allergieneigung verstärken.

Die Frühlings-Challenge: Fasten statt Antihistaminika?

Ich sage nicht, dass du deine Medikamente wegwerfen sollst. Das wäre verantwortungslos. Aber ich sage: Es lohnt sich, deinem Körper die Chance zu geben, sich selbst zu regulieren.

Fasten ist nicht kompliziert. Es kostet nichts. Es hat keine Nebenwirkungen (wenn du es richtig machst). Und es kann – kann! – dein Immunsystem so weit beruhigen, dass die Birken im Park wieder deine Freunde werden statt deine Feinde.

Ich jedenfalls sitze gerade auf meiner Terrasse, Frau Fiete zu meinen Füßen, die Sonne im Gesicht. Kein Niesen. Kein Jucken. Nur Frühling.

Du willst tiefer einsteigen?

In meinen Fasten-Retreats bei Sunnyside Fasten & Retreats begleite ich dich eine ganze Woche lang beim Fasten – mit persönlicher Anleitung, in einer Gruppe Gleichgesinnter, an wunderschönen Orten. Wir fasten gemeinsam, bewegen uns, atmen, kommen zur Ruhe. Viele meiner Teilnehmerinnen berichten, dass nicht nur ihr Gewicht, sondern auch ihre Allergien sich danach verändert haben.

👉 Alle Infos zu meinen Retreats findest du auf sunnyside-fasten.de

Und wenn du erstmal lieber lesen möchtest: Mein Buch „Fast(en) wie von selbst – Kleine Pausen, große Wirkung"erscheint bald und erklärt dir alles, was du über Intervallfasten wissen musst – wissenschaftlich fundiert, persönlich erzählt und ohne erhobenen Zeigefinger. Denn Fasten soll Spaß machen. Wirklich.

Carina

P.S.: Hatschi war gestern. 🌸

Quellen:

  • Nakamura, Y. et al. (2014). Fasting mitigates immediate hypersensitivity: a pivotal role of endogenous D-beta-hydroxybutyrate. Nutrition & Metabolism.

  • Longo, V. D. & Cortellino, S. (2020). Fasting, dietary restriction, and immunosenescence. Journal of Allergy and Clinical Immunology.

  • Ma, X. (2024). A detective story of intermittent fasting effect on immunity. Immunology.

  • Wang, S. et al. (2023). Intermittent fasting protects against food allergy in a murine model via regulating gut microbiota. Frontiers in Immunology.

  • Michalsen, A. (2019). Heilen mit der Kraft der Natur. Insel Verlag.