Fasten und Spiritualität: Der Blick nach innen

von Carina Teutenberg. Erstellt am 29.8.26

Es gibt diesen besonderen Moment während einer Fastenwoche.

Der Körper hat sich langsam auf die neue Situation eingestellt. Die erste Unruhe legt sich. Der Alltag ist weiter weg. Plötzlich wird es stiller – nicht nur am Tisch, sondern auch im Kopf.

Und in dieser Stille taucht manchmal etwas auf, das wir lange nicht gehört haben: unsere eigene innere Stimme.

Für mich ist Fasten deshalb immer auch ein Blick nach innen.

Fasten schafft Platz

Unser Alltag ist voll. Wir essen, arbeiten, organisieren, reagieren und konsumieren. Dazwischen checken wir Nachrichten, beantworten Mails und überlegen schon beim Frühstück, was es am Abend geben soll.

Das alles fällt uns kaum noch auf. Es ist einfach normal geworden.

Beim Fasten unterbrechen wir einen Teil dieses Automatismus. Das Essen, seine Vorbereitung und viele kleine Gewohnheiten treten für eine Weile in den Hintergrund. Plötzlich ist da Platz.

Dieser Platz kann sich anfangs ungewohnt anfühlen. Vielleicht sogar ein wenig leer. Aber genau darin liegt eine große Chance.

Denn wenn im Außen weniger passiert, können wir im Inneren wieder mehr wahrnehmen.

Natur genießen im Fasten Retreat auf der Sunnyside

Was bedeutet Spiritualität eigentlich?

Beim Wort Spiritualität denken manche Menschen sofort an Räucherstäbchen, Erleuchtung und sehr komplizierte Verrenkungen auf einer Yogamatte.

Das darf alles sein. Muss aber nicht.

Für mich bedeutet Spiritualität vor allem Verbindung: mit mir selbst, mit anderen Menschen und mit der Natur. Es ist die Frage nach dem, was mich im Innersten trägt. Nach meinen Werten, meinen Sehnsüchten und dem Leben, das sich für mich wirklich richtig anfühlt.

Spiritualität kann in einer Meditation entstehen. Aber genauso gut auf einem stillen Waldweg, in einem ehrlichen Gespräch oder beim Blick in ein Feuer.

Sie braucht kein Etikett und keine feste Weltanschauung.

Manchmal braucht sie nur Zeit.

Warum Fasten den Blick verändert

Wenn wir fasten, verzichten wir nicht nur auf etwas. Wir entscheiden uns bewusst für eine Pause.

Wir verlassen für einige Tage unsere üblichen Routinen und erleben, dass vieles auch anders geht. Das kann erstaunlich befreiend sein.

Ich habe beim Fasten selbst oft erlebt, dass Gedanken und Gefühle deutlicher werden. Dinge, die ich im Alltag gut beschäftigt oder überhört hatte, meldeten sich plötzlich zurück.

Nicht immer mit großem Drama. Manchmal war es nur ein leiser Gedanke:

So möchte ich nicht weitermachen.

Davon wünsche ich mir mehr.

Hier muss ich besser auf mich achten.

Mediation im Fasten Retreat auf Mallorca

Fasten liefert nicht automatisch die fertige Antwort. Aber es kann uns helfen, wieder hinzuhören.

Die Seele muss nichts leisten

Wir leben in einer Zeit, in der selbst Entspannung schnell zum Projekt wird. Wir zählen Schritte, optimieren den Schlaf und wollen möglichst effizient meditieren.

Auch Fasten kann in diese Falle geraten: noch disziplinierter sein, noch mehr abnehmen, noch schneller ein Ergebnis erreichen.

Genau darum geht es mir nicht.

Fasten ist für mich keine Prüfung. Und ein Retreat ist kein Wettbewerb in Selbstoptimierung.

Deine Seele braucht keine Leistungsziele. Sie braucht Raum, Ruhe, Schönheit und vielleicht auch ein wenig Freundlichkeit. Sie darf einfach sein – ohne bewertet zu werden.

Das klingt unspektakulär. Ist im echten Leben aber ziemlich revolutionär.

Meditation: dem Inneren zuhören

Meditation passt wunderbar zum Fasten, weil beides mit Aufmerksamkeit zu tun hat.

Wir richten den Blick nicht sofort auf die nächste Aufgabe, sondern auf das, was gerade da ist: den Atem, den Körper, einen Gedanken oder ein Gefühl.

Dabei muss der Kopf nicht vollkommen leer werden. Meiner Erfahrung nach hält sich der Kopf ohnehin selten an solche Anweisungen.

Gedanken dürfen kommen und wieder gehen. Wir müssen ihnen nicht folgen und sie auch nicht bekämpfen.

In meinen Fasten Retreats arbeite ich gerne mit geführten Meditationen und Traumreisen. Innere Bilder können uns entspannen, berühren oder eine neue Perspektive eröffnen. Manchmal zeigen sie etwas, das sich mit Worten nur schwer ausdrücken lässt.

Und manchmal schläft jemand dabei einfach tief und friedlich ein. Auch das darf sein.

Waldbaden im SOUL Fasten Retreat auf der Sunnyside

Der Wald bringt uns zurück

Ein wichtiger Teil meiner eigenen Spiritualität ist die Natur.

Im Wald wird vieles einfacher. Ein Baum fragt nicht, ob wir produktiv genug waren. Der See interessiert sich nicht für unsere To-do-Liste. Und der Wind erwartet keine schnelle Antwort.

Beim Waldbaden gehen wir langsam und nehmen unsere Umgebung bewusst mit allen Sinnen wahr. Wir lauschen, riechen, fühlen und beobachten.

Gerade beim Fasten können sich diese Momente besonders intensiv anfühlen. Die Wahrnehmung wird feiner. Ein Sonnenstrahl zwischen den Bäumen, das Rascheln der Blätter oder der Duft des Waldbodens bekommt plötzlich wieder Bedeutung.

Wir erinnern uns daran, dass wir nicht außerhalb der Natur stehen. Wir sind ein Teil von ihr.

Für mich ist das Spiritualität in ihrer schönsten und bodenständigsten Form.

Warum Rituale guttun können

Rituale begleiten Menschen seit sehr langer Zeit. Sie markieren Übergänge, Abschiede und Neuanfänge.

Auch heute können sie uns helfen, einem inneren Prozess einen sichtbaren Ausdruck zu geben.

In den SOUL Wochen nutzen wir beispielsweise Feuer-Rituale. Wir können aufschreiben, was wir loslassen möchten, und diesen Gedanken symbolisch dem Feuer übergeben.

Das Feuer löst natürlich nicht über Nacht alle Probleme. Aber der bewusste Moment kann etwas in Bewegung bringen. Er macht eine Entscheidung spürbar.

Dafür muss niemand an Magie glauben.

Manchmal ist es einfach wohltuend, nicht nur über Veränderung nachzudenken, sondern ihr eine Form zu geben.

Fasten und Mental Health

Der Blick nach innen führt nicht nur zu angenehmen Gedanken. Wenn es stiller wird, können auch Erschöpfung, Traurigkeit oder alte Sorgen deutlicher spürbar werden.

Deshalb ist mir ein verantwortungsvoller Umgang mit Mental Health wichtig.

In Workshops beschäftigen wir uns unter anderem mit Stressmustern, Grenzen, Selbstfürsorge und der Frage, was uns im Alltag Kraft gibt oder Kraft nimmt. Es geht nicht um Diagnosen oder schnelle Lösungen, sondern um ehrliche Reflexion und praktische Impulse.

Ein Fasten Retreat ersetzt keine Psychotherapie und keine medizinische Behandlung. Wer sich in einer akuten psychischen Krise befindet oder wegen einer Erkrankung behandelt wird, sollte vor dem Fasten unbedingt mit den behandelnden Fachpersonen sprechen.

Zur inneren Einkehr gehört für mich auch, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen.

Eine kleine Übung für Deinen Alltag

Du musst nicht auf das nächste Retreat warten, um den Blick nach innen zu richten.

Nimm Dir heute fünf Minuten Zeit. Lass das Handy liegen und geh nach draußen – am besten an einen ruhigen Ort.

Atme ein paarmal bewusst ein und aus. Dann frage Dich:

Wie geht es mir gerade wirklich?

Was ist im Moment zu viel?

Was würde mir guttun?

Versuche nicht, sofort eine perfekte Antwort zu finden. Höre einfach hin.

Manchmal ist die erste ehrliche Antwort ganz leise.

Weniger essen. Mehr spüren.

Fasten beginnt mit dem bewussten Verzicht auf Nahrung. Doch was daraus entstehen kann, geht weit über das Essen hinaus.

Wir entdecken, wie viele Gewohnheiten automatisch ablaufen. Wir erleben Stille. Wir bewegen uns in der Natur. Wir sprechen ehrlicher miteinander und vielleicht auch mit uns selbst.

Fasten kann den Blick nach innen öffnen. Nicht als Flucht vor der Welt, sondern als Möglichkeit, klarer in sie zurückzukehren.

Vielleicht ist genau das die Verbindung zwischen Fasten und Spiritualität: Wir lassen für eine Weile etwas weg und entdecken dabei, was uns wirklich nährt.

Für mich ist das kein schweres, abgehobenes Konzept.

Es ist eine Pause. Ein tiefer Atemzug. Ein stiller Weg durch den Wald.

Und manchmal der Anfang von etwas Neuem.

Deine Carina

Fasten, Natur und innere Einkehr erleben

In meinen SOUL Fasten Retreats verbinden wir persönlich begleitetes Fasten mit Waldbaden, Meditationen, Traumreisen, Feuer-Ritualen und inspirierenden Workshops.

Wenn Du neugierig geworden bist, findest Du hier die aktuellen Retreat-Termine.

Ich freue mich auf Dich.

Fragen? Dann schreibe mir: carina@sunnyside-fasten.de


Über die Autorin

Carina Teutenberg ist ärztlich geprüfte und zertifizierte Fastenleiterin, Atemtrainerin, Schlaftrainerin, Journalistin, Autorin und Gründerin von Sunnyside Fasten & Retreats.

Inzwischen hat sie mehr als 2.000 Menschen beim Fasten begleitet. In ihren Retreats verbindet sie fundiertes Fastenwissen mit Bewegung, Breathwork, Meditation, Waldbaden und besonderen Naturerlebnissen.

Ihr Ansatz ist modern, persönlich und frei von Dogmen: Fasten bedeutet für Carina nicht Verzicht oder Selbstoptimierung, sondern eine bewusste Pause für Körper, Kopf und Seele – und manchmal den schönsten Weg zurück zu sich selbst.